Hinweise für Eltern

1. Die besten Lern- und Unterhaltungsangebote für Kinder (Aktualisiert am 23. März 2020, 10:19 Uhr)

Geschlossene Schulen und Kitas stellen Eltern vor besondere Herausforderungen. Denn nicht alle Schulen sind gerüstet für Homeschooling oder können Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen. Eltern müssen ihren Kindern jetzt den Schulstoff zu Hause vermitteln und sie zum Lernen motivieren.

TV-Sender und auch einige Radio-Stationen reagieren auf die Schließungen mit einer Änderung und Anpassung ihres Programms. Zudem existiert eine ganze Reihe von digitalen Lernprogrammen und Lern-Apps, die nicht nur für Zeitvertreib sorgen, sondern auch beim Lernen zu Hilfe kommen.

Viele Herstellerfirmen bieten Software, Apps, Lern-Tools und Unterhaltung derzeit sogar gratis an. Wir geben einen Überblick über das verfügbare Angebot.

Fernsehen zum Lernen in Coronavirus-Zeiten

Der Bayerische Rundfunk stellt in Kooperation mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus ein Angebot zum Lernen zu Hause auf dem Bildungskanal ARD-alpha, in der BR-Mediathek und dem Infoportal „mebis“ bereit.
Schülerinnen und Schüler können sich seit Beginn der Schulschließungen zu Hause mit Unterrichtsmaterialien beschäftigen. Gesendet werden breit gefächerte Lerninhalte von Mathematik über Geografie bis hin zu Biologie, Sozialkunde und Geschichte für alle Jahrgangsstufen in Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien als auch weiterführenden Schularten.
Mit der BR-Mediathek kann zeitlich unabhängig gelernt werden. Ergänzt wird das Angebot durch das Onlineportal www.mebis.bayern.de, auf dem diverse Programme nach Fächern strukturiert verfügbar sind. Allerdings ist das Programm speziell auf die bayerischen Lehrpläne abgestimmt.

Hilfreiche Lern-Apps und Tools für Schüler

Für Schüler aller Jahrgangsstufen gibt es spezialisierte Apps und Tools, die Unterrichtsfächer aufgreifen und trainieren. Sie können helfen, Inhalte spielerisch und unterhaltsam zu vermitteln und Kinder zum Lernen zu motivieren.
Das Deutsche Jugendinstitut in München beispielsweise hat über 500 Lern-Apps und Lern-Spiele nach pädagogischen Kriterien bewertet. Die Rezensionen können in der Datenbank „Apps für Kinder“ eingesehen werden.

Auch auf klick-tipps.net finden sich viele gute Lern-Apps für Kinder bis zehn Jahren – mit detaillierter Bewertung. Die Seite ist eine Kooperation von der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest und dem Bundesfamilienministerium.

Zu den grundsätzlich empfehlenswerten Lern-Apps gehören zum Beispiel:

  • Die beliebte, kostenlose Anwendung Anton richtet sich an Schüler der Klassen 1 bis 6 und hält Übungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachkunde bereit. Die Inhalte sind auf die Lehrpläne der jeweiligen Bundesländer abgestimmt.
  • Mit der Lese-App von der Stiftung Lesen können Kinder zwischen 6- und 12 Jahren in spannende Bücherwelten eintauchen.
  • StudySmarter ist eine Lern-App für Studium und Schule. Übungsaufgaben, Lernziele, Lösungen und Tipps für jedes Thema. Diese App fördert das kollaborative Lernen mit Freunden. Alle Premium-Funktionen der App stehen während der Coronavirus Schulschließungen kostenfrei bereit.
  • Auch die Lern-App Simpleclub will helfen, den Schulausfall zu überbrücken. Dafür gibt es die Premium-Version der App derzeit kostenlos.

Online lernen für alle Klassenstufen

Nicht jedes Kind besitzt ein Smartphone, doch die allermeisten Grundschulkinder sind bereits im Internet unterwegs. Auch hier unterstützen Lernplattformen am Computer den digitalen Unterricht zu Hause – zurzeit sogar oftmals kostenfrei.

  • Die Lernplattform Scoyo beispielsweise bietet interaktive Lernvideos und Übungen für Klasse 1 bis 7 an. Wegen des Coronavirus ist die Nutzung zwei Wochen kostenfrei.
  • Grundschulkönig ist eine kostenlose Lernplattform und für alle Eltern, deren Kinder in der Grundschule sind, interessant. Auch Vorschulmaterial wird auf dieser Wissensplattform angeboten.
  • Lernwolf.de ist eine Plattform mit kostenlosen Arbeitsblättern und Übungsblättern für Grundschule, Mittelschule, Realschule und Gymnasium. Hier werden alle Klassenstufen in den Fächern Mathe, Deutsch, Sachkunde, Englisch und Latein fündig.
  • Die Lernvideos von Sofatutor erklären auch komplizierte Themen auf eine verständliche Art und Weise. Arbeitsblätter und interaktive Übungsaufgaben erlauben es, das Gelernte sofort anzuwenden. Zudem stehen ausgebildete Lehrer im Chat zur Seite. Das Angebot kann 30 Tage kostenlos getestet werden.
  • Die über 40.000 Erklärvideos, Übungen und Klassenarbeiten auf der Plattform Duden Learnattack gibt es für zwei Monate gratis.

Youtube Lernvideos

Youtube ist eine unerschöpfliche Quelle an Videos und hat mehr Potenzial als Schminktutorials. Es gibt wertvolle Wissenskanäle für Kinder, die das Lernen zu einer neuen Erfahrung werden lassen.

  • Der Mathematikdoktorand, Johann Beurich lädt Erklärvideos auf seinem YouTube-Kanal DorFuchs hoch. Seine Videos zeichnen sich dadurch aus, dass er die mathematischen Zusammenhänge häufig zu Liedern komponiert und singend vorträgt. Dadurch sollen sich die Erklärungen leichter zu merken sein.
  • Auf dem YouTube-Kanal Mathe by Daniel Jung werden mathematische Zusammenhänge in kurzen Videos für Schüler ab der 5. Klasse erklärt.
  • Khan Academy ist eine Plattform mit englischen Lernvideos, Aufgaben und Tests vom Kindergarten bis zur 13. Klasse.
  • STARK: Auf diesem Youtube-Kanal kann man sich in kurzen Videos ganze Epochen erklären lassen – super für den Deutschunterricht.

Änderungen und Lerninhalte im Kinder-Fernsehprogramm

Irgendwann hat auch das Homeschooling Feierabend oder die Kleinsten müssen irgendwie beschäftigt werden, während man im Homeoffice arbeitet.
Viele Fernsehsender und auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiten deshalb ihr Kinderprogramm aus mit Lerninhalten, die man Kindern guten Gewissens zumuten kann.

  • Der SWR sendet seit Montag ein extra Programm für Kinder und Jugendliche: Das „Tigerenten Club spezial“ mit Serien und Dokus am Morgen und „Planet Schule“ und „Planet Wissen“ am Vormittag. So können Kinder aller Altersstufen zu Hause lernen, denn es werden Themen behandelt, die sich auch an den Unterrichtsthemen orientieren.
  • Das WDR-Fernsehen strahlt „Die Sendung mit der Maus“ täglich vormittags aus. Zudem steht die Sendung zeitunabhängig in der Mediathek zur Verfügung.
  • Der Kinderkanal Kika erweitert nach dem Vorschulangebot „KiKANiNCHEN“ das Sendeschema am Vormittag mit zusätzlichen Animationsangeboten für Schüler.
  • Die Kindernachrichten „logo!“ berichten nun zwei Mal pro Tag über die aktuelle Lage und „Die beste Klasse Deutschlands-Spezial“ präsentiert den Kindern zu Hause Quizfragen und Experimente zum Mitraten.
  • Bei den Privatsendern betreffen die Änderungen in Folge der Schulschließungen vor allem den Kanal Super RTL. Hier steht jedoch der Unterhaltungsaspekt im Vordergrund.

Auch das Radio macht mit

Die Sender reagieren auch in ihren Radioprogrammen auf die besondere Herausforderung während der Corona-Schulschließungen.

  • Der NDR erweitert sein Digitalprogramm NDR Info Spezial vormittags um eine Extra-Ausgabe der Kindersendung „Mikado“ und wendet sich vor allem an Kinder, die (noch) keine Hausaufgaben erhalten haben oder sich zwischendurch mit Hörspielen, Lesungen und unterhaltsamen Wissensangeboten beschäftigen möchten. Es soll auch Eltern dabei unterstützen, die langen Vormittage für Ihre Kinder zu strukturieren.
  • In den Teddy-Nachrichten des Kinder- und Familienradio Teddy wird altersgerecht für Kinder über die aktuelle Situation berichtet – ausgerichtet an den von der Bundeszentrale für Bildung erhobenen Standards für kindgerechte Nachrichtenvermittlung. Im Programm folgen Mitmachaktionen und der Nachmittag wird um eine verlängerte Hörspiel-Zeit ausgeweitet.

2. Eltern müssen nicht Lehrer spielen: 

So klappt es mit dem Lernen zu Hause

Schulen schließen aufgrund der Corona-Krise – und in so mancher Familie bahnt sich ebenfalls eine Krise an. Die Kinder müssen den Lernstoff nun zu Hause schaffen.
Keine Sorge, es wird gehen! Diese Tipps helfen, den Alltag zu meistern.

Eltern sehen sich jetzt vor einer Herausforderung, von der sie vor wenigen Tagen noch nichts ahnten: Schulen haben geschlossen, die Kinder müssen zuhause lernen, irgendwie muss dafür gesorgt werden, dass sie das auch tun. Und zwar ohne, dass der große Frust und Lagerkoller aufkommt. Doch es wird gehen! Diese Tipps helfen, Kinder zum Lernen zu motivieren.

  1. Der Lernstoff
  • Sofern es möglich ist, sollten Eltern bei den Lehrkräften oder der Schule nachfragen, welchen Stoff sie mit dem Kind wiederholen und lernen können, rät Ilka Hoffmann. Sie leitet im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft den Bereich Schule.
  • Oft ist es so geregelt, dass die Lehrer den Eltern via Elternsprecher den Stoff für eine Woche etwa per Mail zukommen lassen.
  1. Das Lernmaterial
  • Manche Lehrer halten Aufgaben für zuhause bereit, die Kinder dann machen können. Auch viele Schulbuchverlage bieten Zusatzmaterial an. „Das können Eltern über einen QR-Code im Buch oder auf den Internetseiten der Verlage finden“, sagt Hoffmann.
  • Im Internet finden sich zudem zahlreiche Plattformen, die Arbeitsblätter anbieten. Eine gute Lern-App ist außerdem „Anton“ für Schüler der Klassen eins bis acht.
  • Ein Service in Corona-Zeiten: Die Lern-Plattform Scoyo gibt Schülern zwei Wochen lang kostenlos Zugang, die von Schulschließungen betroffen sind.
  1. Die Lernzeiten
  • So geballt wie in der Schule müssen Eltern das Lernen zu Hause nicht gestalten. „Besser ist es, das Lernen über den Tag zu verteilen“, rät Hoffmann – und dabei genügend Pausen einzubauen.
  • „Eltern können den Schulunterricht nicht simulieren“, sagt Maresi Lassek, Bundesvorsitzende des Grundschulverbandes. Dennoch sei es wichtig, den Tag durch feste Abläufe zum Beispiel für das Aufstehen und für Mahlzeiten wie gewohnt zu strukturieren. Auch klare Absprachen für Zeiten zum Lernen helfen.
  • Eltern müssen sich auch nicht streng an den Stundenplan halten. „Lassen Sie das Kind die Reihenfolge aussuchen“, rät Hoffmann. Damit kein Stoff zu kurz kommt, können Eltern aber auch sagen: „Gestern haben wir viel Mathe gemacht, dann kommt heute mehr Deutsch dran“.
  • Tipp aus unserer Redaktion: Leiten Sie die Lernzeit mit beruhigender Musik ein. Hören die Kinder die beispielsweise die schönen Klänge von „Forrest Gump“, wissen sie: Zeit aufzuräumen und sich fürs Lernen bereit zu machen. Viele Lehrer setzen diese Methode morgens in der Grundschule ein.
  1. Lerntagebuch führen
  • Jüngere Kinder kann es motivieren, wenn man das Gelernte jeden Tag in eine Art Tagebuch einträgt. Dazu lassen sich einfach in einer Mappe Arbeitsblätter und Übungen einkleben.
  • „Dann kann das Kind darin blättern und stolz auf das Geschaffte sein“, sagt Hoffmann. Positiver Nebeneffekt: Das Kind wiederholt Lerninhalte – und das ist immer gut.
  1. Eltern: Nicht Lehrer spielen, Lernspiele ausprobieren!

Der Grundschulverband nimmt Eltern den Druck: Sie müssen jetzt nicht zu Hause Lehrer spielen. Statt auf das Abarbeiten von Lernstoff zu pochen, sollten sie sich auf Aktivitäten konzentrieren, die sonst zu kurz kommen. Am besten gestalten Eltern das Lernen anschaulich und spielerisch, empfiehlt Hoffmann – damit die Kinder nicht auf die Uhr schauen, sondern Spaß an der Sache haben und motiviert sind. Der Grundschulverband gibt Anregungen:

  • Lesen: Abhängig von der Lesestufe des Kindes kann das Vorlesen sein, aber auch eigenständiges Lesen, Partnerlesen und gegenseitiges Vorlesen. Der Lesestoff sollte dabei Interessen des Kindes treffen. „Es ist sinnvoll, sich mit dem Kind über das Gelesene auszutauschen“, rät Maresi Lassek vom Grundschulverband. Man könne auch Fortsetzungsstränge weiterspinnen oder alternative Lösungsmöglichkeiten diskutieren.
  • Kopfrechnen: Plus und Minus im Zahlenraum bis 20, 100, 1000, sowie kleines Einmaleins. „Das sollte aber nicht so lange gehen wie eine Schulstunde, denn die Ansprache und Interaktion ist zu Hause viel intensiver“, erklärt Lassek. Sie empfiehlt konzentrierte 10 bis 15 Minuten pro Tag. Statt in ein Mathebuch zu schauen, könnten Eltern bei jüngeren Kindern zum Beispiel Dosen mit Steinchen füllen und fragen, schlägt Hoffmann vor: Wie viele Steine fehlen, damit es zehn sind? Oder man entwickelt gemeinsam eine Geschichte und schreibt die Anfangsbuchstaben der Worte auf.
  • Bauen und Konstruieren: Das könne nach Bauanleitungen geschehen oder mit Bausteinen oder Materialien, die zu Hause vorhanden sind. Das schule technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Handgeschicklichkeit, Feinmotorik, Wahrnehmung, Ausdauer und Geduld. Zu gelungenen Bauwerken schreiben viele Kinder auch gerne die Bauanleitungen für andere auf.
  • Kinderfilme schauen: und zwar gemeinsam. Danach kann man darüber reden, etwa über das Land oder die Region, in dem der Film spielt, welche Tiere dort leben und wie sie leben. Das könne man dann alles zusammen recherchieren.
  • Gesellschaftsspiele: „Dabei können Kinder viel lernen – etwa Ausdauer, Regelverhalten, Konzentration.“
  • Kreatives: Man könne ein Lied oder szenische Darstellung einstudieren oder ein Gedicht lernen.
  • Musik zum Einsatz bringen: Darauf setzen viele Familien ohnehin schon, wenn es um Bildung geht. Tipp unserer Redaktion: Das Projekt „Junge Dichter und Denker“ vermittelt mit Liedern spielerisch das Einmaleins oder deutsche Gedichte.
  • Ausflüge in die Natur: sofern sie möglich sind. Dabei können Tiere und Pflanzen fotografiert werden, die man nicht kennt, worüber man aber mehr wissen will. Dann kann zu Hause alles darüber in Lexika, in Sachbüchern oder im Internet recherchiert werden.

Bei allen Aktivitäten sollten Eltern die Kinder fragen, was sie interessiert, was sie wissen und tun wollen, und dann zu gemeinsamen Absprachen kommen. Beim Tagesablauf sei zwar eine Struktur wichtig, es sollte aber auf einen ausgewogenen Wechsel von fremdbestimmten und selbstbestimmten Tätigkeiten geachtet werden. „So beschwören Eltern keine unnötigen Konflikte herauf“, meint Lassek.

Sie beruhigt zudem: „Wenn es an einem Tag noch nicht richtig funktioniert, dann klappt es eben am nächsten Tag. Die Hauptsache ist, man nimmt den Stress raus.“